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Ein Mörder und viele Fragen

Die NKG-Schülerinnen Hanna Fichtner und Sophia Bitz haben die "Entenmörder"-Geschichte in App-Form gepackt

Von Heiko Schattauer aus der RNZ online 29.08.2019, 6.00Uhr

Mosbach. Die Wege des Herrn sind unergründlich, heißt es. Manchmal sind aber auch die Wege, auf denen ein Projekt zustande kommt, verschlungen. Die zündende Idee für ihren bemerkenswerten Beitrag zum Geschichtswettbewerb "Krise, Umbruch, Aufbruch" kam NKG-Schülerin Hanna Fichtner nämlich ausgerechnet in einem Lehrgang für Musiklotsen. Da nämlich wurde die Zehntklässlerin auf eine "Schnitzeljagd-App" aufmerksam, die dann flugs auch für ihr Wettbewerbsthema "Wanderbahn Mosbach-Mudau" Anwendung finden sollte.

Geschichtslehrerin Christine Eggers war sofort angetan, bei Projektmitstreiterin Sophia Bitz war ein wenig Überzeugungsarbeit nötig. Herausgekommen ist die Aufarbeitung von Geschichte und Geschichten in zeitgemäßer, generationsübergreifend attraktiver Art: Mit ihrer "Entenmörder-App" laden die beiden Schülerinnen zur modernen Schnitzeljagd entlang der ehemaligen Bahnlinie von Mosbach bis nach Mudau, der heutigen Wanderbahn ein.

Bis in die 1970er-Jahre verkehrte der sogenannte "Entenmörder" auf der Trasse, die inzwischen als Rad- und Wanderweg rege genutzt wird. Zwölfmal machte der Zug auf dem Weg von Mosbach bis nach Mudau Halt. Als der Betrieb 1973 eingestellt wurde, "war das schon eine große Krise für die, die zuvor jeden Tag den Zug genutzt haben", so Hanna Fichtner.

Jeder Station von einst haben sich Hanna und Sophie mit Blick auf Historie und Gegenwart angenommen. "Wir wollten die einzelnen Stationen so abenteuerlich und unterschiedlich wie möglich machen", erläutert Sophia Bitz. An jedem Punkt gibt es neben fundierten Informationen zur Geschichte und Entwicklung (mal in Text-Bild-Form, mal als Audiodatei, mal als Zeitungsschlagzeilensammlung) auch Rätsel oder Aufgaben, die vom App-Nutzer zu bewältigen sind. Am ehemaligen Bahnhof in Trienz etwa fordert die App zum Wettrennen auf: "Wer kriegt den Zug noch?", anderswo warten knifflige Quizfragen. "Eigentlich ist die App für alle Altersklassen geeignet", schildert Sophia Bitz den generationsübergreifenden Ansatz.

Apropos Ansatz: Der liegt bei der für den Wettbewerb modifizierten Anwendung in der App "Actionbound". Darin lassen sich eigene Schnitzeljagden, Stadtrallyes oder Schatzsuchen kreieren. Und genau das haben Hanna Fichtner und Sophia Bitz vor und mit geschichtlichem Hintergrund gemacht. Wer sich die kostenlose Actionbound-App auf sein Smartphone oder Tablet heruntergeladen hat (am besten schon zu Hause), kommt mit einer weiteren Eingabe in der Suchfunktion - "Wanderbahn" - zu Entenmörder 2.0. Und kann damit dann die 27 Kilometer lange Strecke voller geschichtsträchtiger Herausforderungen in Angriff nehmen.

"Natürlich muss man nicht alle zwölf Stationen und die volle Strecke auf einmal machen", stellt Sophia schmunzelnd klar: "Ein Einstieg ist an jeder Station möglich." Die ganze alte Route des Entenmörders am Stück haben die beiden Tour-Gestalterinnen selbst auch noch nicht bewältigt. "Wir sind nicht so die ausdauernden Wanderer", räumen die Zehntklässlerinnen offen ein.

Ihre Mitschüler haben den Entenmörder-Bound bereits ausgiebig getestet, und auch die eigene Verwandtschaft war schon fleißig an den Stationen aktiv. "Die Resonanz war sehr positiv", freuen sich Hanna und Sophia: "Die meisten hatten viel Spaß dabei." Das dürfte wohl auch einer der großen Pluspunkte der Projektarbeit sein: Denn Geschichtsvermittlung und Spaß gehen ja nicht immer automatisch Hand in Hand.

Die viele Arbeit hat sich also gelohnt für die beiden Schülerinnen, die ihren Beitrag zum Geschichtswettbewerb auch als GFS-Arbeit in der Schule nutzten. Ein "sehr gut" war ihnen damit sicher. Viel Lob gab es auch bei einer Vorstellung von "Entenmörder 2.0" in einem Geschichtsseminar an der Uni Heidelberg. "Der Dozent wollte unsere zwölf Stationen gleich mit dem Rad abfahren", berichtet Hannah Fichtner.

Ob er dabei auch erklärt bekommt, woher der Begriff Entenmörder eigentlich kommt? An dieser Stelle soll es nicht verraten werden. Dass beim Fototermin mit den beiden Erfinderinnen von "Entenmörder 2.0" ein argloses Huhn ins Bild und über die alte Bahntrasse läuft, liefert ein hilfreiches Indiz - und passt irgendwie auch wieder zu Wegen, die manchmal unergründlich sind.

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