Antigone 2005 wurde gecastet

Theater-AG des NKG spielte eine der ältesten Tragödien – Aus der Not eine Tugend gemacht

Von Peter Lahr

 

Mosbach. An die 500 Zuschauer sahen die insgesamt drei Aufführungen der „Antigone“, in Szene gesetzt von den  Mädchen der Mittelstufen-Theater-AG am Nicolaus-Kistner-Gymnasium. Am Donnerstagabend fand die dritte und letzte Vorstellung im großen Musiksaal des NKG statt, im Publikum saßen überwiegend Eltern und Freunde.

 

Was hätte wohl der Tragödiendichter Sophokles dazu gesagt, der 420 v. Chr. die „Antigone“ schrieb und damit eines der ältesten erhaltenen Theaterstücke schuf ? Denn die Junior-Schauspielerinnen hatten aus der „Not“ eine Tugend gemacht, besteht die von Eugen Boerner geleitete Theater-AG doch „nur“ aus Mädchen der achten und neunten Klasse. „Wenn in der Antike nur Männer auf der Bühne standen, drehen wir nach 2500 Jahren den Spieß einfach um“, dachten sich die Jugendlichen, die sich das antike Stück selbst heraus gesucht hatten. Im Jahre 2005 übernahmen Mädchen alle Rollen! Ganz modern wurde auch die Rollenbesetzung für die Titelheldin gelöst: die sechs Anwärterinnen auf die vermeintliche Hauptrolle wurden „gecastet“, sprich sie mussten alle vorsprechen und wurden dann von ihren Kolleginnen bewertet. Carolin Heiß machte das Rennen und durfte als einzige in einer roten Tunika auftreten.

 

Denn traditionell gewandet wollten die Schauspielerinnen ihr Stück aufführen. Lange Tücher wurden zu Tuniken umfunktioniert, in die sich die Schülerinnen hüllten.

Farben setzten Signale. Die beiden männlichen Rollen, der neue Herrscher Kreon (Jasmin Muhrhardt) und sein Sohn Heimon (Corina Zindl) trugen einen blauen Chiton, während Weiß die Farbe der Bürgerinnen war. Die Funktion des antiken Chors übernahmen Janin Istenits, Tatjana Kuharev, Verena Plasentia-Duhm, Shari Hartmann, Lana Jung und  Elisabeth Zepf.

 

Die Bühne bildet ein schwarz-weißes Halbrund, auf dem sich die Bürger fast wie in einem Theater lagern. Ganz oben thront der neue Herrscher Thebens, Kreon, der im Laufe des Stückes jedoch immer weiter hinab steigt. Unaufhaltsam nimmt das Drama seinen Lauf und führt zur Demontage des Unmenschlichen. Herrisch spielt Jasmin Muhrhardt den Kreon und geht mit der Wächterin (Lisa Pfeiffer), der Botin (Verena Grimm) und schließlich der gefangenen Antigone gleichermaßen ruppig-überheblich um. Voller Verve steht Carolin Heiß hinter ihrer Titelrolle und auch ihre Schwester Ismene spielt Marisa Beck nachvollziehbar als „Zaudernde“. Eine intensive Ausstrahlung besitzen auch die beiden Darstellerinnen des Orakels: die blinde Seherin, die mit ihrer Augenbinde etwas an Justitia erinnert (Patricia Schust), wird von dem armlosen Mädchen (Celin Schweda) vor den Herrscher geleitet, um ihm mächtig ins Gewissen zu sprechen.

 

Ebenso kurz wie tragisch gestaltet sich der Auftritt von Eurydike (Katrin Wuscher), die in ihren Blick beim Abgang reichlich Emotion legt.

 

Den Text modernisierte Cornelius Hirsch in seiner Bearbeitung. Ein bisschen schnell sprechen ihn die Schauspielerinnen bei ihrer dritten Vorführung; vielleicht lag´s an den Eltern im Publikum.

 

Bei all dem tragischen Geschehen auf der Bühne, stimmt doch der letzte Satz der Bürgerinnen optimistisch: „Selbst die größten Maulhelden haben bei Zeiten gelernt, sich vernünftig zu besinnen.“



Keine Toga-Party feierte die Theater-AG des Nicolaus-Kistner-Gymnasiums; sie spielte vielmehr die antike Tragödie „Antigone“ von Sophokles als reines „Frauen-Stück“. Foto: Lahr